Ich war eine Woche in den Niederlanden unterwegs, hauptsächlich im Großraum Amsterdam. Was mir dabei immer wieder aufgefallen ist: In den niederländischen Innenstädten wird das Auto zwar nicht grundsätzlich verbannt, seine Nutzung aber deutlich unattraktiver gemacht als in Deutschland. Gerade beim Thema Parken zeigt sich, wie konsequent die Niederländer ihre Städte auf andere Verkehrsmittel ausrichten.
Parken in Amsterdam: Das Auto wird zum Luxus
Zentrale Parkhäuser gibt es natürlich auch in den Niederlanden. Allerdings werden bei Preisen von teilweise 12 Euro pro Stunde selbst kurze Aufenthalte zu einer ziemlich exklusiven Angelegenheit. Wer nicht auf den Euro achten muss, kann weiterhin bequem mit dem Auto ins Zentrum fahren. Für alle anderen stellt sich schnell die Frage, ob es nicht bessere Alternativen gibt. Genau darin liegt vermutlich ein wesentlicher Unterschied zu vielen deutschen Städten: Das Auto wird nicht unbedingt verboten, aber seine Nutzung im Zentrum ist mit erheblichen Kosten verbunden.
Interessant fand ich auch die Trennung zwischen Fahrradparkhäusern und klassischen Parkgaragen. Während man in den Niederlanden häufig eigenständige, speziell für Fahrräder konzipierte Parkanlagen findet, geht man in Münster teilweise andere Wege. Dabei zeigt sich, welchen Stellenwert das Fahrrad in der niederländischen Verkehrspolitik einnimmt: Es ist kein ergänzendes Verkehrsmittel, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil der städtischen Infrastruktur.
Roller und Minicars auf niederländischen Radwegen
Eine weitere Besonderheit ist mir bei den Radwegen aufgefallen: Je nach Fahrzeugtyp und geltenden Regeln dürfen dort auch bestimmte Roller und leichte Fahrzeuge wie sogenannte Minicars unterwegs sein. Gerade kleinere Roller mit 50 Kubikzentimetern Hubraum werden genutzt, um schnell und unkompliziert durch die Stadt zu kommen. Das sorgt für ein anderes Verkehrsmittel-Mix als auf vielen deutschen Radwegen.
Allerdings stellt sich damit auch die Frage, wie viel zusätzlichen Verkehr Fahrradwege eigentlich vertragen. Wenn Fahrräder, elektrische Kleinstfahrzeuge und motorisierte Zweiräder dieselben Flächen nutzen, können Konflikte entstehen. Eine gute Verkehrsinfrastruktur muss deshalb nicht nur ausreichend Platz bieten, sondern auch klare Regeln schaffen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleisten.
E-Mopeds aus China: Günstig, schnell und gefährlich?
Besonders aufgefallen sind mir die elektrischen Zweiräder, die ich der Einfachheit halber als E-Mopeds bezeichnen möchte. Manche bieten Platz für zwei Personen, andere lassen sich offenbar weitgehend ohne Treten bewegen. Teilweise wirken diese Fahrzeuge eher wie kleine Elektromotorräder als wie klassische Fahrräder. Bei einigen stellt sich durchaus die Frage, ob Geschwindigkeit, Gewicht und Bauweise noch zu dem passen, was man auf einem Fahrradweg erwarten würde.
Viele dieser Fahrzeuge wirken auf mich wie günstige Massenware, bei der Verarbeitung, Haltbarkeit und Sicherheitsstandards kritisch hinterfragt werden sollten. Natürlich lässt sich nicht pauschal behaupten, dass alle diese Fahrzeuge minderwertig oder gefährlich sind. Trotzdem frage ich mich, warum solche Modelle auf europäischen Straßen und Radwegen zugelassen werden, wenn ihre technische Qualität und die Einhaltung der geltenden Vorschriften nicht zuverlässig gewährleistet sind. Gerade bei Fahrzeugen, die ohne große körperliche Anstrengung relativ hohe Geschwindigkeiten erreichen, sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen.
Für mich ist das ein wichtiges Thema für die Verkehrspolitik: Wie lässt sich innovative Elektromobilität fördern, ohne die Sicherheit auf Radwegen zu gefährden? Und welche Anforderungen müssen Hersteller erfüllen, damit günstige Fahrzeuge nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen?
Niederlande: Mehr klassische Fahrräder, weniger Pedelecs?
Ein weiterer Eindruck meiner Reise: Ich habe deutlich mehr klassische Fahrräder und weniger Pedelecs gesehen als in Deutschland. Natürlich ist das zunächst eine persönliche Beobachtung und keine repräsentative Erhebung. Trotzdem fand ich den Unterschied bemerkenswert. Möglicherweise spielt die weitgehend flache Landschaft eine Rolle. Wer im Alltag kaum Steigungen bewältigen muss, kommt mit einem normalen Fahrrad schließlich problemlos ans Ziel.
Allerdings stellt sich die Frage, warum in Münster so viele Menschen auf Pedelecs unterwegs sind, obwohl es dort ebenfalls kaum nennenswerte Steigungen gibt. Offenbar geht es nicht nur um die Topografie. Auch längere Arbeitswege, Bequemlichkeit, das Alter der Radfahrer und die Möglichkeit, ohne große Anstrengung am Ziel anzukommen, dürften eine Rolle spielen. Vielleicht zeigt sich hier auch, dass das Pedelec in Deutschland zunehmend das klassische Fahrrad ersetzt, während das normale Fahrrad in den Niederlanden weiterhin einen besonders hohen Stellenwert besitzt.
Lastenräder von Urban Arrow gehören zum Straßenbild
Was in den Niederlanden ebenfalls auffällt, ist die große Verbreitung von Lastenrädern. Modelle von Urban Arrow gehören im Großraum Amsterdam beinahe selbstverständlich zum Straßenbild. Eltern transportieren ihre Kinder in den geräumigen Transportboxen, erledigen Einkäufe oder bringen den Nachwuchs zur Kita. Das Lastenrad ist hier nicht nur ein Lifestyle-Produkt, sondern ein ganz praktisches Familienverkehrsmittel.
Auch die Vielfalt der eingesetzten Fahrräder ist bemerkenswert. Unterschiedliche Bauformen und Konzepte werden je nach Bedarf genutzt. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass weniger Menschen ohne Helm unterwegs sind als in Deutschland. Ob dieser Eindruck tatsächlich einem allgemeinen Trend entspricht, müsste man allerdings anhand belastbarer Zahlen überprüfen.
Wo sind die Motorräder, Vespa-Roller und S-Pedelecs?
Fast unsichtbar waren für mich dagegen klassische Motorräder, traditionelle Vespa-Roller und vor allem S-Pedelecs. Letztere sind schnelle Elektrofahrräder, die bis zu 45 km/h unterstützen und rechtlich nicht als gewöhnliche Fahrräder gelten. Während ich in Deutschland durchaus regelmäßig S-Pedelecs sehe, ist mir in der Woche in den Niederlanden kein einziges begegnet.
Das wirft eine interessante Frage auf: Welche Verkehrsmittel nutzen die Niederländer eigentlich, wenn sie nicht nur innerhalb ihrer Stadt unterwegs sind? Der innerstädtische Verkehr scheint stark auf Fahrräder, Lastenräder und bestimmte leichte Fahrzeuge ausgerichtet zu sein. Aber wie sieht es bei längeren Strecken zwischen den Städten aus? Pendeln die Menschen überwiegend mit dem Auto, mit der Bahn oder ebenfalls mit dem Fahrrad?
Gerade bei Entfernungen von zehn, zwanzig oder dreißig Kilometern wäre es spannend, genauer hinzuschauen. Denn die Niederlande sind zwar ein ausgesprochen fahrradfreundliches Land, aber auch dort müssen Menschen zur Arbeit, zu Freunden oder zu weiter entfernten Zielen gelangen. Ob dabei das klassische Fahrrad, das E-Bike, der öffentliche Verkehr oder doch das Auto dominiert, dürfte stark von der jeweiligen Strecke abhängen.
Was Deutschland von den Niederlanden lernen kann
Mein Eindruck nach einer Woche im Großraum Amsterdam: Die Niederlande setzen im Alltag stärker auf das Fahrrad als selbst viele fahrradfreundliche deutsche Städte. Das zeigt sich nicht nur an den Radwegen, sondern auch an der Infrastruktur, den Lastenrädern und dem Umgang mit dem Autoverkehr. Wer mit dem Auto ins Zentrum fahren möchte, kann das vielerorts weiterhin tun. Es ist aber häufig deutlich teurer und weniger attraktiv als in Deutschland.
Gleichzeitig sehe ich auch kritische Punkte. Wenn unterschiedliche motorisierte Fahrzeuge auf Radwegen unterwegs sind, müssen Geschwindigkeit, Fahrzeugklasse und Sicherheitsanforderungen klar geregelt sein. Nicht jedes elektrische Zweirad ist automatisch ein Fahrrad, nur weil es zwei Räder hat und mit Strom fährt.
Mich interessiert deshalb besonders, wie sich der niederländische Verkehr außerhalb der großen Städte organisiert. Welche Rolle spielen S-Pedelecs und klassische Motorräder tatsächlich? Wie viele Menschen pendeln mit dem Fahrrad über längere Strecken? Und wie stark unterscheiden sich die Niederlande beim Anteil klassischer Fahrräder und Pedelecs von Deutschland?
Wie sind eure Erfahrungen? Seid ihr in den Niederlanden unterwegs gewesen und habt ähnliche Beobachtungen gemacht? Und was glaubt ihr: Warum sind klassische Fahrräder dort weiterhin so präsent, während in Deutschland das Pedelec immer mehr an Bedeutung gewinnt? Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen in den Kommentaren.



