Studie von 2023 – aktuell sieht es wahrscheinlich noch schlechter aus
Die wichtigste Erkenntnis der ZIV-Studie „Wo fahren Speed-Pedelecs?“: S-Pedelecs könnten eine wichtige Rolle beim Umstieg vom Auto aufs Fahrrad spielen. Doch Deutschland schöpft dieses Potenzial bisher kaum aus. Entscheidend sind dabei nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern vor allem geeignete Infrastruktur und klare Regeln. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs.
Die Studie wurde vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) bei Mobycon in Auftrag gegeben und vergleicht Deutschland mit Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
🚀 71 % der S-Pedelec-Kilometer könnten Autofahrten ersetzen
Eine deutsche Untersuchung namens „Pedelection“ kam laut ZIV-Studie zu dem Ergebnis, dass 71 % der mit S-Pedelecs zurückgelegten Kilometer zuvor mit dem Auto gefahren worden wären. Damit haben S-Pedelecs ein besonders großes Potenzial für die Verkehrswende. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Das macht S-Pedelecs insbesondere für Pendler mit längeren Arbeitswegen interessant.
🇩🇪 Deutschland: S-Pedelec und Radweg? Grundsätzlich nein
In Deutschland gelten S-Pedelecs als zweirädrige Kleinkrafträder und damit als Kraftfahrzeuge.
Sie benötigen unter anderem:
- Versicherungskennzeichen
- Versicherung
- Führerschein Klasse AM
- Mindestalter 16 Jahre
- Helm
- Rückspiegel
- Hupe
- Bremslicht
- Kennzeichenbeleuchtung
Ein Personen- oder Kinderanhänger ist nicht erlaubt. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Noch entscheidender für den Alltag:
S-Pedelecs müssen grundsätzlich auf der Fahrbahn fahren.
Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Fahrradstraßen und Radschnellwege dürfen grundsätzlich nicht benutzt werden, sofern keine entsprechende Freigabe besteht. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Dabei hat sich der Markt durchaus entwickelt:
2020: 6.800 verkaufte S-Pedelecs
2021: 8.000
2022: 11.000
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Interessant für NRW
NRW hat 2023 einen wichtigen Schritt gemacht.
Seit dem Erlass vom 18. Juli 2023 können Kommunen bestimmte Radverkehrsanlagen für S-Pedelecs freigeben und mit dem Zusatzzeichen „S-Pedelecs frei“ versehen.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Radschnellverbindungen
- Fahrradstraßen
- Fahrradzonen
- bestimmte Radwege
- außerörtliche Geh- und Radwege
Die Entscheidung liegt jeweils bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Stand der Studie Oktober 2023: In NRW hatte allerdings noch keine Kommune von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
🇩🇰 Dänemark: S-Pedelecs auf dem Radweg
Ganz anders Dänemark:
Seit 2018 dürfen S-Pedelecs grundsätzlich Radwege benutzen und werden weitgehend wie Fahrräder behandelt.
Besonders interessant sind die Ergebnisse der Evaluation:
33 % der S-Pedelec-Fahrten ersetzten Autofahrten.
Weitere 35–44 % ersetzten Wege, die ansonsten mit Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt worden wären. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Das ist ein starkes Argument dafür, S-Pedelecs nicht ausschließlich als „schnelle Mopeds“, sondern als Verkehrsmittel für den Alltagsverkehr zu betrachten.
🇧🇪 Belgien: S-Pedelec als eigene Fahrzeugklasse
Belgien ging noch einen Schritt weiter und schuf 2016 eine eigene Fahrzeugkategorie für S-Pedelecs.
Das ermöglicht spezielle Regeln, die nicht einfach aus den Mopedregeln übernommen werden.
In Belgien können S-Pedelec-Fahrer innerorts bei Straßen bis 50 km/h grundsätzlich zwischen Fahrbahn und Radweg wählen. Außerorts müssen sie bei entsprechenden Bedingungen den Radweg nutzen. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Die Entwicklung ist bemerkenswert:
2017 waren nur 5.352 S-Pedelecs zugelassen, 2018 bereits 16.094 und 2021 laut Studie 61.506. 96 % davon entfielen auf Flandern. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Auch die Pendlergeschwindigkeit ist interessant: Eine Untersuchung in Flandern ermittelte eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 36,7 km/h. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
🇨🇭 Schweiz: Das vielleicht spannendste Modell
Die Schweiz hat S-Pedelecs bereits 2012 grundsätzlich für Radverkehrsflächen zugelassen.
2022 wurden dort 22.782 S-Pedelecs verkauft – das entsprach 10,4 % aller verkauften Elektrofahrräder. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Und genau hier wird die Studie besonders interessant:
Die Studie berichtet keine Auffälligkeiten im Unfallgeschehen, die eine Einschränkung der Nutzung von Radverkehrsinfrastruktur erforderlich machen würden.
Der Schweizer Bundesrat bewertet laut Studie das verkehrliche Potenzial der S-Pedelecs insgesamt höher als die Risiken ihrer Nutzung auf Radverkehrsflächen. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
🚲 Wo sind S-Pedelecs nun sicherer?
Hier sollte man bei der Diskussion sehr vorsichtig sein.
Die Studie kommt nicht zu dem Ergebnis:
„S-Pedelecs sind auf Radwegen sicherer.“
Sie sagt ausdrücklich, dass die vorhandenen Unfalldaten keine eindeutige Aussage darüber erlauben, ob S-Pedelecs objektiv auf der Straße oder auf Radwegen sicherer sind. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Interessant ist aber das Sicherheitsempfinden:
Bei schnellerem Autoverkehr fühlen sich S-Pedelec-Fahrer auf der Straße häufig unsicherer und auf Radverkehrsanlagen sicherer. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Die Studie kommt deshalb zu einem wesentlich differenzierteren Schluss:
Nicht „Radweg oder Straße?“ ist die entscheidende Frage – sondern wie gut die jeweilige Infrastruktur für S-Pedelecs geeignet ist.
🇩🇪🇧🇪🇩🇰🇨🇭 Was Deutschland von den Nachbarn lernen kann
Die Länder zeigen sehr unterschiedliche Ansätze:
| Land | Grundidee |
|---|---|
| 🇩🇪 Deutschland | S-Pedelec überwiegend auf der Straße |
| 🇧🇪 Belgien | Eigene Fahrzeugklasse + flexible Regeln |
| 🇩🇰 Dänemark | weitgehend Fahrradregeln |
| 🇳🇱 Niederlande | bestimmte Radwege + Geschwindigkeitslimits |
| 🇨🇭 Schweiz | Radinfrastruktur grundsätzlich zugänglich |
Die Studie sieht insbesondere Belgien/Flandern und die Schweiz als Länder, die S-Pedelecs stärker systematisch in ihr Verkehrssystem integrieren. Dänemark zeigt ebenfalls, dass eine Öffnung der Infrastruktur mit einer Verlagerung von Autofahrten einhergehen kann. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
💡 Das eigentliche Problem ist nicht das S-Pedelec
Das ist für mich die wichtigste Botschaft der Studie:
S-Pedelecs brauchen keine Sonderbehandlung um jeden Preis – sie brauchen passende Infrastruktur und klare Regeln.
Die Studie bezeichnet die Qualität der Infrastruktur und darauf aufbauend klare und einhaltbare Regeln als zentrale Faktoren für eine erfolgreiche Integration. Gleichzeitig sei das Wissen über die Nutzergruppen noch relativ gering. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
Und genau daraus ergibt sich eine spannende Frage für Deutschland:
Warum schicken wir ein Fahrzeug, das 45 km/h schnell fahren kann, auf die gleiche Fahrbahn wie Autos – obwohl es gleichzeitig deutlich näher am Fahrrad als am Auto liegt?
Quelle: ZIV/Mobycon, Wo fahren Speed-Pedelecs? – Regulierung und Erfahrungen mit Speed-Pedelecs in Deutschland sowie in Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz, November 2023. ZIV-Studie-Wo-fahren-S-Pedelecs…
