wie kann ich günstig zur Arbeit kommen?
14 Kilometer zur Arbeit – jeden Tag. Mit dem Auto oder mit dem Pedelec? Auf den ersten Blick ist das Auto bequem und das Fahrrad die günstigere Freizeitlösung. Rechnet man aber Anschaffung, Wertverlust, Versicherung, Wartung und Energie zusammen, sieht die Sache schnell anders aus.
Besonders interessant wird es, wenn man kein neues Pedelec kauft, sondern ein gutes gebrauchtes. Denn auf dem Gebrauchtmarkt findet man immer wieder E-Bikes, die erst wenige tausend Kilometer gefahren wurden. Der erste Besitzer hat dabei häufig bereits einen erheblichen Teil des Wertverlusts getragen.
14 Kilometer Arbeitsweg – über 6.000 Kilometer im Jahr
Nehmen wir einen ganz normalen Arbeitsweg von 14 Kilometern pro Strecke. Bei 220 Arbeitstagen kommen dabei zusammen:
14 km × 2 × 220 Tage = 6.160 Kilometer pro Jahr
In drei Jahren sind das bereits 18.480 Kilometer. Für einen Pendler ist ein Fahrrad damit kein Sportgerät mehr, sondern ein echtes Verkehrsmittel.
Und genau deshalb lohnt es sich, die Kosten einmal genauer anzuschauen.
Was kostet das Auto wirklich?
Viele rechnen beim Auto zunächst nur mit dem Benzin oder Diesel. Das ist aber nur ein Teil der Rechnung. Dazu kommen Wertverlust, Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen, Reparaturen und weitere laufende Kosten.
Der VCD kommt in seinem Kostencheck beispielsweise bei einem Kleinwagen auf rund 661 Euro monatliche Gesamtkosten bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung. Beim Pedelec werden rund 66 Euro monatlich angesetzt. In die Berechnung fließen nicht nur Energie beziehungsweise Strom, sondern auch Wertverlust, Wartung, Versicherung und weitere Kosten ein. VCD Kostencheck Mobilität
Für unseren Arbeitsweg lässt sich daraus überschlägig folgende Größenordnung ableiten:
| Pedelec | Kleinwagen | |
|---|---|---|
| Arbeitsweg pro Jahr | 6.160 km | 6.160 km |
| angenäherte Kosten/km | ca. 16 Cent | ca. 53 Cent |
| Kosten für den Arbeitsweg/Jahr | ca. 980 € | ca. 3.260 € |
| Differenz | ca. 2.280 € |
Das ist keine individuelle Kostenrechnung für jedes Auto und jedes Pedelec. Gerade beim Auto fallen viele Fixkosten auch dann an, wenn das Fahrzeug weniger gefahren wird. Die Zahlen zeigen aber sehr gut, in welcher Größenordnung sich die Gesamtkosten bewegen können.
Der interessante Teil: Warum ein gebrauchtes Pedelec besonders attraktiv sein kann
Beim Pedelec muss man nicht unbedingt 3.000, 4.000 oder sogar 5.000 Euro für ein neues Fahrrad ausgeben.
Auf dem Gebrauchtmarkt werden immer wieder hochwertige Pedelecs mit relativ geringer Laufleistung angeboten. Ein Beispiel: Ein Fahrrad wurde neu für 4.500 Euro gekauft, hat erst etwa 2.000 Kilometer gelaufen und wird anschließend für 2.500 Euro verkauft.
Der erste Besitzer hat damit 2.000 Euro Wertverlust getragen – der zweite Besitzer bekommt ein hochwertiges Pedelec für deutlich weniger Geld.
Natürlich ist das nur ein Beispiel. Nicht jedes Pedelec verliert nach 2.000 Kilometern 2.000 Euro an Wert. Entscheidend sind unter anderem Alter, Modell, Akku, Ausstattung, Zustand und die aktuelle Nachfrage.
Aber genau darin steckt eine interessante Kaufstrategie.
Nicht den Neupreis bezahlen – den Wertverlust des ersten Besitzers nutzen
Wer ein gebrauchtes Pedelec kauft, sollte deshalb nicht nur auf den Kilometerstand schauen. Viel wichtiger ist die Frage:
Wie viel Fahrrad bekomme ich für mein Geld?
Ein zwei Jahre altes Pedelec für 2.500 Euro kann wirtschaftlich interessanter sein als ein neues Fahrrad für 4.500 Euro. Vorausgesetzt, Akku, Motor und Verschleißteile sind in Ordnung.
Gerade bei hochwertigen Marken und Bosch-, Shimano- oder Yamaha-Antrieben kann sich die Suche nach einem gebrauchten Modell lohnen.
Meine Strategie beim Gebrauchtkauf
Ich würde zunächst ein Modell auswählen, das neu beispielsweise 4.000 bis 5.000 Euro kostet. Danach würde ich gezielt nach ein bis drei Jahre alten Exemplaren suchen.
Interessant sind Fahrräder mit:
- nachvollziehbarer Rechnung
- bekanntem Vorbesitzer
- moderater Laufleistung
- gutem Akku
- gepflegtem Antrieb
- möglichst wenig Verschleiß
- vollständiger Ausstattung
Wichtig ist dabei: 2.000 Kilometer sind bei einem guten Pedelec nicht automatisch ein Problem. Für einen Pendler mit 14 Kilometern Arbeitsweg sind 2.000 Kilometer gerade einmal rund 71 Arbeitstage.
Trotzdem sollte man vor dem Kauf unbedingt Akku, Motor, Bremsen, Kette, Kassette, Reifen und Laufräder überprüfen. Auch die Herkunft des Fahrrads und die Rahmennummer sollten nachvollziehbar sein. ADAC: Gebraucht-E-Bike-Kaufvertrag
Beispiel: Drei Jahre mit einem gebrauchten Pedelec
Nehmen wir wieder unser Beispiel:
Neupreis: 4.500 €
Gebrauchtkauf: 2.500 €
Fahrleistung: 6.160 km pro Jahr
Nutzung: 3 Jahre
Gesamtstrecke: 18.480 km
Angenommen, das Pedelec lässt sich nach drei Jahren noch für 1.000 Euro verkaufen. Dann beträgt der tatsächliche Wertverlust für den zweiten Besitzer:
2.500 € – 1.000 € = 1.500 €
Das sind nur 500 Euro Wertverlust pro Jahr.
Dazu kommen Strom, Versicherung, Wartung und Verschleiß. Je nach Fahrrad und Nutzung kann man damit bei ungefähr 900 bis 1.000 Euro Gesamtkosten pro Jahr landen.
Das Entscheidende ist: Der größte Wertverlust ist in diesem Beispiel bereits beim ersten Besitzer passiert.
Und was passiert beim Auto?
Beim Auto sieht die Rechnung anders aus. Bei rund 53 Cent pro Kilometer ergeben 6.160 Kilometer ungefähr 3.260 Euro pro Jahr.
Beim gebrauchten Pedelec wären es in unserem Beispiel rund 1.000 Euro.
Damit liegt die mögliche Differenz bei ungefähr:
2.200 Euro pro Jahr
Über drei Jahre wären das theoretisch rund 6.600 Euro.
Natürlich wird nicht jeder Autofahrer tatsächlich 6.600 Euro sparen. Wer sein Auto ohnehin besitzt, hat weiterhin Kosten für Versicherung, Steuer und Wertverlust. Und ein Pedelec ersetzt nicht jede Autofahrt – zum Beispiel nicht den Familienurlaub oder den Transport großer Gegenstände.
Aber für den täglichen Arbeitsweg kann die Rechnung sehr interessant werden.
Der eigentliche Vorteil liegt nicht beim Fahrrad – sondern beim Autoersatz
Das ist für mich der entscheidende Punkt.
Ein Pedelec ist nicht einfach ein günstigeres Fahrrad. Wenn es das Auto auf dem täglichen Arbeitsweg ersetzt, wird es zu einem Werkzeug, um Mobilitätskosten zu senken.
Bei 14 Kilometern pro Strecke ist die Entfernung außerdem interessant: Für ein normales Fahrrad kann das je nach Fitness und Strecke schon eine sportliche Herausforderung sein. Mit einem Pedelec werden 14 Kilometer dagegen für viele Menschen zu einem realistischen täglichen Arbeitsweg.
Und wer statt eines neuen Pedelecs ein gutes gebrauchtes Modell kauft, kann zusätzlich den größten Teil des ersten Wertverlusts umgehen.
Mein Fazit: Gebraucht kaufen und lange fahren
Wer Fahrrad statt Auto wirklich ausprobieren möchte, muss nicht sofort mehrere tausend Euro für ein neues E-Bike ausgeben.
Eine clevere Strategie kann sein:
hochwertiges Pedelec auswählen → gebraucht kaufen → Wertverlust des Erstbesitzers nutzen → täglich zur Arbeit fahren → mehrere Jahre behalten.
Gerade die Kombination aus 14 Kilometern Arbeitsweg, einem hochwertigen gebrauchten Pedelec und regelmäßiger Nutzung kann finanziell sehr interessant sein.
Denn vielleicht ist die entscheidende Frage beim nächsten Fahrradkauf nicht:
„Was kostet mich ein gutes E-Bike?“
Sondern:
„Wie viel kostet mich mein Arbeitsweg – und wie viel davon kann ich mit einem Fahrrad ersetzen?“
Das ist der eigentliche Gedanke hinter Fahrrad statt Auto.
