Copenhagen Wheel

Fahrradläden – Die neuen Pharisäer?

Wer hätte da jemals gedacht. Aus den Klitschen der Fahrradschrauber von vor 2 oder mehreren Jahren, sind jetzt moderne Fahrradläden entstanden. Besonders in Münster kann man das nun beobachten. Alles so toll modern und alles voll mit Elektrorädern.

Service und Kundenfreundlichkeit wurde nun durch Tickets, Termine und Exklusivität ersetzt. Konnte man in der Vergangenheit noch jedes Fahrrad reparieren lassen, nehmen es sich jetzt einige Fahrradhändler heraus, nur noch Räder zu reparieren, die sie selber verkauft haben. Spannend vor allem auch als Erfolgsmodell für andere Berufe – ich empfehle das für Ärzte und Lehrer oder vielleicht auch für Köche. Man kann es sich ja jetzt auch leisten, dass man nicht mehr das Fahrrad jeden dahergelaufenen Kunden repariert.

Nicht nur, dass Pedelecs soviel kosten wie Autos zu meiner Jugend, sondern sie sind auch noch genauso unzuverlässig wie die Autos meiner Jugend – also damals vorwiegend die französischen Autos. Ständig Probleme mit der Elektronik und teure Reparaturen, trotz Markenhersteller wie Bosch usw.
Die Arroganz der Verkäufer korreliert ebenso mit der eines Autoverkäufers aus den 80ern. Bedenkt man, dass die meisten Pedelecfahrer gerade mal 3000 Kilometer im Laufe eines Fahrradlebens zurücklegen, so komme ich zu einem Wertverlust von min.1500 Euro. Damit kostet jeder Kilometer 50 Cent. Dafür kann ich auch ein funktionierendes Auto aus den Jahren 1999 – 2003 fahren. Also zu der Zeit, in der noch Autos gebaut wurden, die ich als Autos bezeichne. Nicht der Elektro und Plastikschrott, der aktuell auf den Straßen mit dem Label Öko und SUV durch die Gegend rollt.

Also der neue Pedelec-Kunde scheint der Autofahrer der 80er zu sein. Das scheinen auch die Fahrradläden erkannt zu haben und sind schnell auf ihre hohen Rösser geklettert.

Besonders spannend, wenn Fahrradläden sich ihr eigenes Hausrecht machen und nur noch Kunden mit Maske bedienen wollen, obwohl aktuell keine Maskenpflicht mehr gilt. Nicht nur Fahrräder reparieren können die, sondern anscheinend mangelt es nicht an medizinischer Expertise, um dann Regeln aufzustellen, wie man möchte. Vielleicht werden demnächst ja auch nur noch Menschen mit braunen Haaren oder nur noch Linkshänder bedient. Ich bin mal gespannt, was man sich da noch einfallen lässt. Insgesamt erinnert es mich doch sehr an das Pharisäertum, was wir ja vor 2135 Jahren auch schon hatten. Vielleicht ein kurzzeitiges Revival. Es wäre zu hoffen.

Grund für mich, bei Fahrrädern zu bleiben, die man selber reparieren kann und bei denen es nach 40 Jahren noch Ersatzteile gibt, und nicht auf die sündhaft teuren Pedelecs umzusteigen, bei denen die Ersatzteillage nur noch für 6 Monate gewährleistet ist.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man solche Konzepte wie das Copenhagen-Wheel und ähnliche ausgebaut und wäre bei den alten Fahrrädern geblieben. Diese wäre deutlich nachhaltiger und würde dem Öko-Bewusstsein, was man in allen Zeitschriften heutzutage überall lesen darf, sicherlich näher.

Nebenbei hätten dann noch deutlich mehr Fahrradläden den „Kunde ist König“ Bezug auf dem Schirm.