Geht das auch anders?

Nach langer Zeit hab ich mir die Zeitschrift Die Zeit – Das Magazin mal wieder gekauft. Grund war der Artikel „Geht das auch anders?“ im Zeit Magazin.

Unter dem Motto „Freie Fahrt – Eine Reise mit dem Rad durch Europa“ besucht der Autor Ulrich Stock die Städte Paris, Essen und Nimwegen. Der Autor nimmt schon die neuen Begriffe wie „Fahrradautobahn“, Veloroute usw. aufs Korn und sieht sich die Situation vor Ort einmal an.
Auf der Suche nach einem Klapprad macht er sich in Hamburg erstmal auf den Weg zu einem Fahrradladen. Über die wirklich kläglichen Fahrradwege in Hamburg muss eigentlich nichts mehr geschrieben werden. Ich selber bin selten schlechter mit einem Fahrrad durch eine Stadt gekommen. Hamburg ist für Fahrradfahrer ein Graus. Nur Köln ist noch schlechter.

Angekommen in dem Fahrradladen leiht sich der Auto erstmal ein Brompton Faltrad aus und macht sich dann auf den Weg. In Paris dann mit dem Zug angekommen macht er sich direkt auf den Weg durch die Stadt mit dem Faltrad. Sein Fazit nach einigen Stunden Paris:

„gefährlich, laut und nicht wirklich fahrradfreundlich“.

Doch das soll in Paris nach dem Willen der Bürgermeisterin nicht so bleiben.
Was micht allerdings wundert ist die Tatsache, daß Paris die letzten Jahre schon einiges für Fahrradfahrer gemacht hat und bei mir eigentlich als Fahrradstadt im Kopf gespeichert war.
Nun gut, die Bürgermeisterin will in Zukunft einiges in Bewegung setzen. Neue Radwege für 63 Millionen Euro sollen her und der Kauf von Pedelecs soll subventioniert werden.

Das ist doch mal innovativer als in Deutschland. Hier wird der Kauf von Elektroautos ab 50.000 Euros subventioniert. Den Erfolg sieht man auf Deutschen Straßen (nicht). Wer sich ein Auto für 50.000 Euros leisten kann, benötigt keine Subventionen mehr. Aber das ist für die anscheinend komplett abgehobenen Politiker-Eliten aus Berlin nur schwer nachvollziehbar.

„Die Elektromobilität findet auf 2 Rädern statt“

befindet der Autor. Mit 3 Millionen Pedelecs auf deutschen Straßen kann man das dann auch wohl behaupten. Früher wurde man eher müde belächelt als Pedelec fahren – nun wird man ständig von aktuellsten Pedelecs überholt von Personen jeder Altersklasse. So ändern sich die Zeiten.

Von Paris führt den Redakteur seine Reise direkt nach Essen ins Ruhrgebiet. Dort geht es auf eine „Fahrradautobahn“. Der Begriff ist eigentlich sowas von unpassend. Wenn ich an die deutsche Autobahn denke, dann sehe ich den drängelnden Audi – Fahrer im Rückspiegel, Lärm, Staus und Baustellen vor. Möchte ich das auch auf einer sogenannten „Fahrrad-Autobahn“?

Die RS1 ist eine Radschnellstrecke, auch wenn viel deutsche Bürger wahrscheinlich eher ein äußerst sportliches Model von Audi damit verbinden würden.

Der Weg von Ratingen nach Essen läßt sich dann in einer Stunde bewältigen. 23 Kilometer hin und nach Feierabend 23 Kilometer zurück. Das sind Traumwerte für jeden Pedelec Fahrer. In der Stadt ist sowas auf keinen Fall möglich. Damit spart man sich den Sport nach Feierabend und die Abhängigkeit von der Regionalbahn. Was will man mehr?

Die nächste Etappe führt Herrn Stock in die Stadt Köln.
Schlimm, Hamburg, Köln würde ich sagen. Viel schlimmer geht es zumindest in Deutschland nicht mehr. Miese Fahrrad Infrastruktur und dann auch noch die Straßenbahnen als weiteres Handicap. Das erinnert einen irgendwie an Super Mario oder ähnliche Jump and Run Adventures.
Langsam aber sicher tut sich auch was in Köln – bei der Anzahl von Studenten dürfte das aber schon seit Jahren geschehen sein – und die Autostadt wird immer mehr in Zukunft für Fahrräder umgebaut werden. Mit der Geschichte nach dem Krieg und dem Bau des Straßennetzes nach amerikanischem Vorbild sind die Vorzeichen für Fahrradfahrer bisher immer denkbar schlecht gewesen.

Die weiteren Etappen über Berlin und Ljubljana sollten jedem Autofanatiker in Deutschland klarmachen, wohin der Hase in Zukunft läuft. Als praktiable Möglichkeit fast autofreie Zonen zu schaffen, nimmt man einfach elektrische Poller die sich versenken lassen.
Autoverkehr nur noch für Anwohner und wie in Berlin eine aktive Bürgerschaft die sich für die Bedürfnisse der Fahrradfahrer einsetzt und Volksentscheid Fahrrad Berlin schreiben läßt. Für Fahrradfahrer und mehr Lebensqualität in Deutschland.

Das wird nicht ohne ein komplettes Umdenken gehen, vom Auto zum Fahrrad. Lange genug haben wir uns durch Autos in den Innenstädten terrorisieren lassen.

Das wird sich ändern – und das ist auch gut so .-)

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schwoon

Begeisterter Fahrradfahrer. Ich fahre gerne Fahrrad und versuche möglichst wenig das Auto zu benutzen. Immer mehr Menschen steigen aktuell auf das Fahrrad um und das möchte ich mit diesem Blog unterstüzen.
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