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Andere Länder andere Sitten – Kairo – Metropole ohne Fahrradfahrer

Nachdem ich 10 Tage in Kairo verbracht habe – und ich meine in Kairo selber und nicht in irgendeinem Touristenresort – hab ich einen komplett neuen Blick auf unseren Verkehr in Deutschland.
Während mir in Münster jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit Fahrradfahrer mit Sicherheitswesten, Helmen und Fahrräder mit aufwendigen Lichtanlagen begegnen, durfte ich in Kairo immer wieder Zeuge von unglaublichen Verkehrsteilnehmern werden.
Insgesamt habe ich in Kairo sechs Fahrradfahrer gesehen. Bei einer Metropole von 18 Millionen Einwohnern schon bemerkenswert. Diese für westeuropäische Verhältnisse als „wahnsinnige“ Radfahrer zu bezeichnen, wäre ein Leichtes. Sie fuhren zwischen Bussen, Autos, Fußgängern durch den unglaublichen Verkehr.
Ohne Mundschutz, ohne verkehrssicheres Fahrrad. Fahrradwege? Ein Witz?
Eigentlich muss man wahnsinnig sein, um dort Fahrrad zu fahren.
Nicht vergessen, dass ein Fahrradfahrer auf seinem uralten Rad 5 Gasflaschen transportierte. Er schlängelte sich durch den regen Verkehr ohne sichtbare Angst. „Komplett wahnsinnig“ war mein erster Gedanke.
Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren Autos aus den 90iger Jahren und älter. Fast alle Autos haben Dellen, Kratzer, Beulen und schon einige Jahre auf dem Buckel. Es wird gefahren, wo sich ein Weg ergibt und als Hilfe zur Kommunikation gerne mal gehupt. Hört sich komisch an, ist aber praktisch. Man möchte am Ziel ankommen und fährt dann einfach. Fahrspuren gibt es nicht. Darum versuchen alle Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer jeden Tag wieder aufs Neue eine Lösung zu finden.
Und es funktioniert gut. Gemessen an heterogenen Zusammensetzung der Verkehrsteilnehmer kommt man zuverlässig am Ziel an.
Viel schlimmer sind die Löcher im Asphalt und die riesigen „Speedbumps“ auf den Straßen. Die können einen schon mal von der Straße fegen – eine Beschilderung oder Beleuchtung wäre wünschenswert. Baustellen sind nicht beschildert und regelmäßig kommen einem Geisterfahrer und Autofahrer ohne Licht entgegen.
 
Warum funktioniert das System trotzdem und wieso bleiben die Leute so ruhig in der Regel?
Meine Antwort ist einfach – Sie sind es gewohnt mitzudenken und sich mehr auf Intuition als auf Verkehrszeichen zu verlassen.

Davon könnten sich viele Verkehrsteilnehmer hier eine „Scheibe von abschneiden“. Der Verkehr fließt deutlich besser wenn man den eigenen Verstand benutzt und sich im Sinne des fließenden Verkehrs verhält. In Deutschland wo jeder auf seinem Recht beharrt und andere Verkehrsteilnehmer gerne mal zeigt, dass er gerade nicht im Recht ist, würde ein kleines Bisschen dieser Gelassenheit guttun.

 

In diesem Sinne … genießt die paradiesische Infrastruktur hier.
 
 
 
 
 

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